*01.01.1959 – † 

Byung-Chul Han

Philosoph, Kulturwissenschaftler und Autor.

Werk und Leben

Han wurde mit seinem Essay Die Müdigkeitsgesellschaft (2010) einem breiteren Publikum weltweit bekannt. Darin diagnostiziert Han, dass in modernen Gesellschaften nur noch die Effizienz und die neoliberale Vermarktungslogik eines Jeden zähle. Die Folge seien Sinnlosigkeit, Depression und vor allem Müdigkeit. In der Beschleunigung, der Optimierung des Selbst und dem Keine-Zeit-Haben für sich und seine Mitmenschen sieht Han eine gefährliche Entwicklung, die die Menschen entmündigt und krank macht. Der Essay wurde 2015 von der Filmemacherin Isabella Gresser verfilmt und erschien 2016. In diesem Film wird Han in Seoul und Berlin interviewt. In beiden Städten wird den Symptomen der Müdigkeitsgesellschaft nachgegangen.

In seinen aktuellen Veröffentlichungen, die meist in der Form gesellschaftskritischer Zeitdiagnosen verfasst sind, beschäftigt sich Byung-Chul Han mit transparentem Verhalten des heutigen Subjekts, das er als durch neoliberale Marktkräfte erzwungene kulturelle Norm interpretiert. Viele Subjekte von heute würden diesen Kult des Individualismus für Freiheit halten, obwohl er Teil des kapitalistischen Selbstausbeutungssystems sei. Han befürchtet einen Druck zur freiwilligen Offenlegung intimer Details, der ihm zufolge an Pornografie grenze und ein totalitäres System der Offenheit zu Lasten anderer sozialer Werte wie der Scham, der Vertraulichkeit und des Vertrauens erzeuge. Aber viele Menschen mieden Liebe und Nähe, weil sie zu einer Verletzung führen könnten. Liebe sei in einer Welt der vollständigen Anwesenheit, in der jeder Einzelne ein narzisstisches und depressives Subjekt zugleich geworden ist, nicht mehr möglich.[8] So werde der aktuelle Alltag von Sichtbarkeit und Oberflächlichkeit beherrscht.[9] Die Erosion der Privatsphäre, an der auch etwas wie z. B. ein Wikipedia-Eintrag mitwirke, sei eine Konsequenz der Tatsache, dass „Menschen behandelt und gehandelt werden wie Datenpakete für wirtschaftlichen Nutzen. Mit anderen Worten, Menschen sind zu Waren geworden“.[10]

Literatur

Krise der Narration

Notizen

Zur Übersicht